Handbuch Seite 000-006

Dieses digitalisierte Handbuch des ZIL‑111, eines Fahrzeugs der früheren sowjetischen Regierung, war bislang weder in deutscher noch in englischer Sprache verfügbar. Beide Fassungen entstanden in historisch und technisch exakter Übertragung des russischen Originals. Notwendige sachliche Korrekturen sowie alle technischen Erläuterungen und ergänzenden Illustrationen sind redaktionelle Arbeiten für Guscha.de und urheberrechtlich geschützt. Viel Freude beim Durchblättern.

Der ZIL mit dem Moskauer Kennzeichen MA 02-13, einem vom Werk benutzten Nummernschild. Bei dem abgebildeten Fahrzeug handelt es sich um den auf dem Handbucheinband gezeigten Wagen. Wie schade, daß die Gestaltung der Fahrzeughandbücher in sozialistischen Ländern regelmäßig eine Gestaltungsabsicht vermissen ließ.
Auf einem weiteren Foto ganz unten auf dieser Seite, welches vermutlich am selben Tag entstand, läßt sich die Panoramaheckscheibe des ZIL-111 erahnen.

Vielleicht können Sie mit dem Begriff des oben erwähnten Briggs-Gewindes wenig anfangen? Die Bezeichnung ist aus der Mode gekommen, heute nennt man es NPT (National Pipe Taper).

Bildliche Darstellung des Briggs-Gewindes

Briggs-Gewinde

Eines von vielen Spezialgewinden, in diesem Fall ein in den USA verbreitetes, kegeliges Rohrgewinde mit einem Flankenwinkel von 60°.

Oberflächenveredelung

Nachfolgend werden einige der oben genannten Verfahren zur Oberflächenveredelung kurz erläutert (die Quellen sind unten verlinkt). Durch das Reengineering westlicher Technologien, insbesondere solcher, die bei US-amerikanischen Modellen wie dem Packard Caribbean zum Einsatz kamen, sowie durch Know-how aus erbeuteten deutschen Fabriken erzielte die Sowjetunion bemerkenswerte Fortschritte im Automobilbau.

Phosphatierung
Durch die Reaktion wässriger Phosphatlösungen mit der Metalloberfläche bildet sich eine fest haftende Konversionsschicht aus Metallphosphaten. Sie dient der Minderung von Reibung und Verschleiß, dem Korrosionsschutz, der Haftvermittlung und der elektrischen Isolation.
Anwendung: Haftgrund für Lack und Reibungsminderung in Gleitführungen (Fensterheberschienen).

Vernicklung
Ein Verfahren zum Aufbringen eines Nickelüberzugs, meist auf Metallen. Nickel ist beständig gegen Luft, Wasser, verdünnte Säuren und die meisten Laugen. Es kann jedoch anlaufen und sich dunkel verfärben. Die silberhelle Oberfläche besitzt gegenüber Chrom einen charakteristischen leicht gelblichen Farbton.
Anwendung: Vorstufe des Verchromens, z. B. an Innenbeschlägen.

Cadmierung
Eine dünne Cadmiumschicht wird elektrogalvanisch auf Metalle aufgebracht. Sie schützt insbesondere vor Alkalien. Cadmiumschichten sind hinsichtlich ihres Widerstands mit Zinkschichten vergleichbar und können verchromt werden. Bei Schraubverbindungen ermöglichen sie ein konstantes Anziehmoment und gute Demontierbarkeit. Wegen der hohen Toxizität ist das Cadmieren von Schrauben zur Oberflächenbeschichtung in Deutschland verboten. Für viele Anwendungen gibt es Alternativen, z. B. „Zink gelb passiviert“.
Anwendung: Korrosionsschutz hochfester Befestigungen, z. B. Türscharniere.

Feuerverzinkung
Beim Feuerverzinken werden Eisen- oder Stahlteile bei ca. 450 °C in geschmolzenes Zink getaucht oder hindurchgezogen. Dadurch werden auch Innenflächen, Schweißnähte und schwer zugängliche Stellen erreicht. Es entsteht eine widerstandsfähige Eisen-Zink-Legierungsschicht mit einer fest haftenden reinen Zinkschicht von etwa 50–150 µm. Feuerverzinken ist eine von mehreren Verfahren zur Herstellung eines Zinküberzugs.
Die zunächst hellglänzende, später metallisch-kristalline und schließlich dunkelgraue Zinkschicht bildet durch Korrosion eine witterungsbeständige Schutzschicht aus Zinkoxid und Zinkcarbonat. Als unedleres Metall wirkt Zink gegenüber Eisen zudem als Opferanode. Dadurch kann eine ausreichend dicke Zinkschicht jahrzehntelangen, wirtschaftlichen Korrosionsschutz ohne Wartung bieten.
Anwendung: Korrosionsschutz an dickeren Tiefziehblechen.

Verzinnung
Gegenstände werden durch Tauchen oder galvanisch mit Zinn überzogen. Trotz der guten Korrosionsbeständigkeit von Zinn steht dabei nicht der Korrosionsschutz, sondern vor allem die Lötbarkeit im Vordergrund. Verzinnte Teile bestehen meist aus Stahl, Kupfer oder Kupferlegierungen, seltener aus Zinkdruckguss, anderen Metallen, Legierungen oder Kunststoff.
Anwendung: Lötverbindungen im Kabelbaum.

Bläuen
Bläuen bzw. Anlassen ist eine Wärmebehandlung zur gezielten Beeinflussung der Werkstoffeigenschaften, insbesondere zum Spannungsabbau. Gehärteter Stahl wird dadurch weicher, während dessen Zähigkeit steigt. Durch Oberflächenoxidation entstehen Anlauffarben, die Rückschlüsse auf Anlasstemperatur und Verwendungszweck ermöglichen.
Anwendung: kleine Stahlteile wie Federn, Sicherungsbleche und Werkzeuge.

Hartverchromen
Ein bis zu mehreren Millimetern starker Chromüberzug zum Schutz vor Verschleiß. Übliche Schichtdicken liegen bei 15–500 µm und damit deutlich über denen von Glanzchrom, das meist nur wenige µm stark ist. Hartchrom wird in mehreren Schichten aufgetragen. Chemische und physikalische Eigenschaften unterscheiden sich nicht von Glanzchrom; die Schichtdicke richtet sich nach der Beanspruchung.
Anwendung: Dämpfer und Lenkungsbauteile.

Zyanidieren
Schnelles Einsatzhärteverfahren für vorwiegend kohlenstoffarme Stähle. Das Werkstück wird in einem Natriumcyanidbad auf 871–954 °C erhitzt, abgeschreckt und anschließend in Wasser oder Öl gespült, um Cyanidrückstände zu entfernen. In 20 - 30 Minuten entsteht eine 0,25 - 0,75 mm starke, harte Randschicht. Das Verfahren eignet sich insbesondere für kleine Bolzen, Muttern, Schrauben und Zahnräder. Nachteilig ist die Giftigkeit der Cyanidsalze.
Anwendung: kleine Zahnräder und Wellenzapfen in Fensterhebern und Sitzverstellungen.

Passivieren
Galvanisch oder chemisch erzeugte Deckschichten aus Zinn, Gold, Nickel, Kupfer, Blei oder Legierungen wie Nickel-Phosphor bieten Korrosionsschutz. Dieser beruht entweder auf der Korrosionsbeständigkeit der Deckschicht selbst, z. B. bei Edelmetallen oder durch Selbstpassivierung von Nickel, oder auf der Passivierung des Grundmetalls durch eine dichte schützende Oxidschicht.
Anwendung: Schrauben und Clips im Innenraum, insbesondere in verdeckten Bereichen wegen der möglichen Gelbfärbung.

ZIL-111 (hier auch mit rückwärtigem Panoramafenster, dann aber leider auch ohne Klimaanlage, denn die Belüftungsschläuche beanspruchten Platz in den D-Säulen), aufgenommen in der Moskauer Automobilfabrik Lichatschow, den früheren Stalinwerken. Der schwarze oder dunkelblaue Nitrolack kommt in verschneiter Landschaft sicher gut zur Geltung.

WEITERFÜHRENDE LINKS

QUELLENVERZEICHNIS

  • Abbildung 1 - Titelbild des Handbuchs, Werksfoto

  • Abbildung 2 (7 Seiten) - Anleitung für Wartung und Betrieb des ZIL-111 und ZIL-111A, herausgegeben vom staatlichen, wissenschaftlich-technischen Verlag Maschinenbauliteratur, Moskau 1961;
    deutsche und englische Übersetzung: © Guscha.de

  • Abbildung 3 - Schematische Darstellung des Briggs-Gewindes (Pressol.com)

  • Abbildung 4 - Werksfoto, aufgenommen auf dem ZIL-Gelände

 
 
 
 
Zurück
Zurück

ZIS-110 Ambulanz in der Presse

Weiter
Weiter

Cabriolet-Sonderkarosserien Teil IV