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Wie die nachfolgenden drei Kapitel zeigen werden, ist der Arbeitsplatz des Fahrers im ZIS-110 reichhaltig mit Bedienelementen und den seinerzeit modernsten Instrumenten bestückt.

Nach jahrzehntelanger Vorherrschaft von Rundinstrumenten setzte das Kombiinstrument mit seinem Bandtacho neue Designakzente. Die Zehntelteilung in der Beschriftung mag gewöhnungsbedürftig gewesen sein. Die großen Ziffern erlaubten jedoch das Ablesen der Fahrzeuggeschwindigkeit “aus den Augenwinkeln”. Zur Ergonomie trug auch der geschwindigkeitsabhängige Farbwechsel der Tachonadel bei. Packard hatte beide Features (Zehntelteilung und Farbindikator) bereits im Modelljahr 1940 zur Einsatzreife geführt.

Mit Zehntelteilung und einem Farbindikator sorgte Packard bereits 1940 für eine verbesserte Ablesbarkeit.

Wie verliehen die Ingenieure in Detroit der Geschwindigkeitsanzeige im Analogzeitalter eine dynamische Wirkung? Sie montierten die lichtleitende Tachonadel so, daß ihr hinterer Schaft einen viertelkreisförmigen, durchsichtigen Zelluloidstreifen überstrich. Dieser Streifen war in einem fließenden Verlauf von Grün über Orange bis Rot eingefärbt und wurde von unten mit Hilfe einer kleine Glühlampe durchleuchtet.

Die Nadel selbst bestand aus einem durchscheinenden Kunststoff. Sobald sie einen Abschnitt des beleuchteten Zelluloidstreifens überstrich, wurde ihr hinterer Schaft von unten in der Farbe des jeweiligen Abschnitts durchstrahlt. Der lichtleitende Kunststoff bewirkte daraufhin die Färbung der gesamten Nadel. Je nach gefahrener Geschwindigkeit nahm diese nun unterschiedliche Farbtöne an - bei niedriger Geschwindigkeit grün, bei mittlerer orange und bei hoher rot.
Ich weiß nicht, ob der Kunsttoff, den die Sowjets verwendeten, durch Alterung seine Lichtleitfähigkeit zu einem gewissen Grad einbüßt, aber man muß schon seine Augen zusammenkneifen, um den Farbwechsel tatsächlich zu bemerken. Bei Tageslicht bleibt der Effekt nahezu unbemerkt, allerdings erfordert das Steuern eines sechs Meter langen ZIS in der heute vorherrschenden Verkehrsdichte und ohne Lenkhilfe und mit teilsynchronisiertem Getriebe auch alle Aufmerksamkeit.
Wie die hier gezeigten Fotos von demontieren ZIS-Tachos belegen, wurde diese Technologie in den Stalinwerken 1:1 übernommen.

Die gesamte Tachoeinheit des 1942 Packard OneEighty wurde in Moskau detailgetreu nachgebaut.

Das nachfolgende Foto zeigt den im obigen Schema mit “Nummer 4” gekennzeichneten Tageskilometer-Rückstellknopf, der in Form einer flexiblen Welle unter der Armaturentafel hervorstand.

Öldruckanzeige, im Kombiinstrument rechts unten angeordnet

Weiterführende Links

  • Klar, durchscheinend oder transparent? Definitionen auf Unionfab.com (englisch)

Quellennachweise

  • Abbildung 1, 2, 7, 9, 11 - Auszug aus dem Handbuch ZIS-110; Moskau 1948;
    deutsche und englische Übersetzung: © Guscha.de

  • Abbildung 3, 5, 6, 8, 10 - © Guscha.de

  • Abbildung 4 - 1940 Packard 110 and 120 Sales Folder auf PackardInfo.com

 
 
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