Handbuch Seite 016 - 017
Auf den Folgeseiten des Handbuchs des GAZ-13 Tschaika werden die Bedienelemente beschrieben. Wir nutzen die Gelegenheit, um über die Funktion der Kühlerjalousie nachzudenken.
Achtung: In beiden unten abgebildeten Handbuchseiten wurden die Zeichnungsnummern entsprechend der oben abgebildeten Zeichnung geändert. Gerne übermitteln wir Ihnen die Handbuchseiten mit den originalen Nummern per eMail.
Die Abdeckung des Armaturenbretts im Tschaika bestand nicht von Beginn an aus einem goldfarbenen Stanzblech.
In den ersten Jahren wurde Holz verwendet. Das GAZ-Logo über dem V-Winkel war von Beginn an vorgesehen, fehlt jedoch hier.
Viele US‑Hersteller hatten Kühlerjalousien schon vor dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft. Präzise Thermostate und Pumpen machten sie überflüssig, waren kostengünstiger zu produzieren und einzusetzen. Fragile Gestänge und Bowdenzüge entfielen, klemmende, rostende oder eingefrorene Jalousien gehörten der Vergangenheit an.
Warum mochte man in Gorki weiterhin nicht auf sie verzichten? Harte Winter gab es beiderseits des Atlantiks, doch US‑Öle der 1960er waren dank Additiven kältefließfähiger, und das dichte Netz von Texaco, Shell und Esso ermöglichte deren rasche Distribution. Beides half bei der Verdrängung der Jalousien auf dem US‑Markt, erklärt jedoch nicht deren weitere Verwendung im Fahrzeugbau der UdSSR.
Doch schauen wir auf die Rahmenbedingungen, die allen sozialistischen Ländern wesenseigen sind. Rückständige Produktionsbedingungen sorgten für schwankende Fertigungstoleranzen, ineffiziente Distributionswege wie beispielsweise die geringe Tankstellendichte bewirkten eine unzuverlässige Verfügbarkeit von Öl‑ und Frostschutzmittel - am Wochenende und nachts standen die Autofahrer vor verschlossenen Türen. Das Werkstattnetz war lückenhaft und Reparaturtermine schwer zu bekommen.
Tankstellen in sozialistischen Ländern waren oft nichts weiter als trostlose und schmutzige Treibstoffabgabestellen.
Sogar in Zeitungen, die in der Sowjetunion herausgegeben worden sind, läßt sich die Mangelversorgung mit Betriebsstoffen nachweisen. So schrieb A. Keller, stellvertretender Leiter von Rosglavneftesbyt (russische Erdölproduktversorgung) im Jahr 1960:
„Wie oft können Autofahrer noch immer keine Öle für Getriebe, Lenkung und Hypoidantriebe, Schmier- und Graphitfette, Brems- und Stoßdämpferflüssigkeiten, Frostschutzmittel und spezielle Reinigungsmittel für Kraftfahrzeuge erhalten. Dabei sollte all dies an jeder Tankstelle erhältlich sein.“
“Wo kann man Motoröl kaufen?” hieß es 1961 in einem Leserbrief aus dem Moskauer Umland.
Doch jemand, der an einer Tankstelle nach Motoröl fragt, hat in aller Regel nicht die Zeit, auf Antwortschreiben zu warten. Der folgende, stark gekürzten Auszug aus einem US-Geheimdienstbericht verdeutlicht, wie verbreitet dieses Problem war. In ihm werden die Tankstellennetze der UdSSR und der USA von 1963 miteinander verglichen - mit beeindruckenden Zahlen.
Der CIA-Report stellt den 211.000 Tankstellen in den USA die ca. 1.600 Tankstellen auf dem Gebiet der UdSSR gegenüber, davon ganze drei in Leningrad, einer Metropole mit damals 3,6 Millionen Einwohnern.
Gerne stellen wir Ihnen den insgesamt 30seitigen Bericht zur Verfügung.
Die Bemühungen der sowjetischen Ingenieure waren möglicherweise darauf gerichtet, durch Schaffung einer thermischen Reserve dem alltäglichen Mangel zu begegnen. Um die Betriebstemperatur im Winter schneller zu erreichen bzw. zu halten, griff man auf einfache, solide, verfügbare und millionenfach bewährte Kühlerjalousien zurück. Selbst bei Fahrzeugstillstand verzögert sich dadurch die Auskühlung des Motors. Auch der Einbauort sehr dicht vor dem Kühler scheint diese Annahme zu unterstützen.
Weiterführende Links
Quellennachweis
Abbildung 1, 6 - © Guscha.de
Abbildung 2, 5 - Auszug aus dem Reparaturhandbuch Tschaika, Gorki;
deutsche und englische Übersetzung: © Guscha.deAbbildung 3 - Mad4wheels.com
Abbildung 4 - Rw6ase.narod.ru
Abbildung 7 - The Holland Evening Sentinel, MI, 15.05.1969
Abbildung 8 - A. Keller: „Eine Tankstelle alle hundert Kilometer“ (russ. „Через сто километров бензоколонка“), in: За рулем, Nr. 1, Januar 1960, S. 21
Abbildung 9 - Leserbrief von A. Goritzki, veröffentlicht in: За рулем, Nr. 4, Apil 1961, S. 20
Abbildung 10 - CIA-Report aus 07/1966