Handbuch Seite 013b A-5
Im ZIS-110 wurde der handgefertigte Radioempfänger A-695 anfangs durch ein nur geringfügig verändertes Übergangsmodell A-4 abgelöst. Die letzte Ausbaustufe stellte der in Serie gefertigte A-5 dar, den wir Ihnen im heutigen Beitrag vorstellen.
Sozialistische Kooperation im Radiobau - das Moskauer ZIS-Radio im ZIM GAZ-12 aus Gorki
Die obige Fotografie ist charakteristisch für ihre Entstehungszeit in den 50er Jahren und versucht, die vielfach ausgezeichnete Aktivistin Pascha Angelina wirkungsvoll in Szene zu setzen. Sowjetische Frauen sollten, ihrem Beispiel folgend, Traktoristinnen werden. Zu diesem Zweck lichtete der Fotograf die Stalinpreisträgerin möglichst vorteilhaft in einem neuen ZIM ab, frisch frisiert, mit Brilliantohrsteckern und einem Geldbündel in der Hand - sozialistischer Realismus. Wir werden diesem leuchtenden Vorbild in einem späteren Beitrag erneut begegnen.
Anhand mehrerer äußerer Merkmale ließ sich das Serienradio leicht von seinen beiden Vorgängern unterscheiden.
Beim direkten Vergleich der beiden sowjetischen Radios fällt sofort ins Auge, das die fünf Sendebereichstasten beim Nachfolger A-5 rund gestaltet sind. Während das Bedienschema beim ursprünglich eingesetzten A-695 dem des Packard (Philco)-Empfänger entsprach (Netzschalter, Lautstärke und Klang links, Senderwahl rechts), erfolgte bei der sowjetischen Weiterentwicklung A-5 die Lautstärkeeinstellung durch ein kleines Extrarad, das über dem Senderwahlrad, also auf der rechten Seite angeordnet war.
Die Klangeinstellung erfolgte weiterhin links, jedoch beim A-5 über einen zweiten, größeren Drehschalter aus Kunststoff unterhalb des Netzschalters (siehe obige Abbildung).
Die Produktionsumstellung brachte eine Vielzahl technischer Veränderungen mit sich. So wurde der Empfangsbereich der dritten Kurzwelle vom 19-Meter-Band auf das 25-Meter-Band verschoben. Auf Langwelle stand statt einer einzelnen Frequenz nun ein großer Empfangsbereich zur Verfügung.
| KW-Bänder im A-5 | Frequenzbereiche im A-5 |
| 49 m | 5.9 - 6.2 MHz |
| 31 m | 9.4 - 9.9 MHz |
| 25 m | 11.6 - 12,1 MHz |
Die Autoradios der Nachkriegszeit sind kaum mit den Geräten aus heutiger Produktion vergleichbar. So nannte das in der UdSSR herausgegebene Fachmagazin “Radio” in der Ausgabe von Juli 1954 ein Gewicht von 9,5 Kilo. Im Gegensatz zum Übergangsgerät A-4wurde der A-5 in zwei Ausführungen gebaut: für eine Bordspannung von 6 Volt im ZIS-110 und für 12 Volt im ZIM GAZ-12. Gerne senden wir Ihnen bei Interesse den ausführlichen Bericht per eMail zu.
Tatsächlich basierte das Radio im ZIS-110 auf der Entwicklungsarbeit, die durch US-Ingenieure bei Philco in Philadelphia geleistet worden war. Das Design und der Großteil der technischen Lösungen finden sich ursprünglich in dem Empfänger 362575, der beim 1942 Packard One-Eighty zum Einsatz gelangte.
Das honiggelb beleuchtete Display des abgebildeten A-5 signalisiert auch optisch die Klangfarbe der Musik.
Weiterführende Links
Technische Informationen zu den sowjetischen Radios finden Sie hier:
- AI-656 im Archiv von Radio.ru (russisch)
- A-656 auf Radionic.ru
- A-5 auf Radionic.ruMurom Radiowerke (russisch)
Quellennachweis
Abbildung 1, 3, 4, 6, 7, 8, 11, 14 - © Guscha.de
Abbildung 2, 5 - Auszug aus dem Handbuch ZIS-110; Moskau 1948;
deutsche und englische Übersetzung: © Guscha.deAbbildung 9 - Nationalarchiv Amsterdam
Abbildung 10 - Zentrales Film‑, Foto‑ und Tonarchiv H. S. Pschenytschnyj
Abbildung 12 - ebay
Abbildung 13 - KI
Tabelle 1 - Funkwelle.com
Tabelle 2 - Radiomuseum.org
Tabelle 3 - © Guscha.de