Handbuch Seite 014c

Auch im Fahrgastbereich des ZIS-110 war eine Uhr installiert, die wir in diesem Kapitel näher kennenlernen. Im Gegensatz zur vorderen Uhr wird sie im Handbuch erwähnt.

Zweite Zeitzone

Im Packard 180 saß eine flache Waltham‑Uhr unterhalb der Trennscheibe im Wurzelholzrahmen. Die sowjetische Uhr mit 7-Tage-Werk war dafür zu voluminös: ihr Werk füllte nahezu die gesamte Wandstärke und wäre bei mittiger Montage mit der Kurbelmechanik der Trennscheibe kollidiert. Daher wurde sie oberhalb der Scheibe angebracht.

Frontansicht einer ZIS-110 Uhr mit goldfarbenem Ziffernblatt und Chromring

Uhr im Fahrgastbereich

Bei der Uhr im Fahrgastbereich wiederholten sich der Goldton des Ziffernblatts der Uhr im Handschuhfach sowie deren Schriftbild und die weißen Zeiger. Sowohl Handaufzug als auch Zeiteinstellung erfolgten über die frontseitige, gerändelte Aufzugskrone.
Ein früherer Entwurf hatte Zeiger mit Leuchtfarben favorisiert. Am Ende entschied man sich für weiße Zeiger, möglicherweise, um beide Uhren optisch anzugleichen.

Entwurf vor Werksabnahme

Die oben abgebildete Collage basiert auf der Originalzeichnung. Fordern Sie bei Interesse die Werkszeichnung an, die wir Ihnen gerne kostenlos zusenden. In den handschriftlichen Zusätzen heißt es:

  • Die Glaslünette und der Sicherungsring sollten verchromt und poliert sein. Überziehen Sie die Zeiger und Zahlen mit Leuchtmaterial. Das Zifferblattfeld ist gemäß dem genehmigten K30 ZIS-Standard bronzefarben.

  • Vor Produktionsbeginn muss das Muster von KEO ZIS (Konstruktions‑ und Experimentalbüro der Stalinwerke) genehmigt werden.

Rückseiten zweier Zierblenden, eine mit Uhr, untereinander

In die massive Rückwand der Uhr sind Ziffern eingeschlagen, die deren Herstellungsjahr verraten. Der Kabeleintritt dient der Stromversorgung der Beleuchtung.

gelbliche sowie dunkelbraune Zierblende untereinander

Wahrscheinlich haben Sie es auch ohne unseren Hinweis entdeckt: bei der “Holzblende” handelt es sich um bemalten Kunststoff.

beschädigte und teilweise verrottete Trennwand ohne Uhr

Uhren werden oft zuerst kannibalisiert und verzieren dann für ein halbes Jahrhundert irgendein Zimmerregal.

zwei runde Uhren in Frontansicht, weißes bzw. schwarzes Ziffernblatt


Fremdfabrikate sind entsprechend weit verbreitet, jedoch für ambitionierte Restaurationen nicht geeignet.

Quizfrage:
Waren deutsche Uhrwerke installiert, als man Stalin den fertigen Wagen vorführte?

Im Juli 1945 begann in der deutschen Kleinstadt Glashütte die Demontage der Uhrenwerke Urofa und Ufag. Maschinen und Material wurden in die UdSSR verbracht und dort unter erheblichen Schwierigkeiten wieder aufgebaut. Es gelang der 1. Moskauer Uhrenfabrik, unter Verwendung deutscher Maschinen und Konstruktionszeichnungen, die maschinelle Fertigung wieder aufzunehmen. Doch mit Blick auf den Kalender vermutlich zu spät, um noch beim ZIS zum Einsatz zu gelangen. Guscha.de muß die letzte Antwort schuldig bleiben.

 

Weiterführende Links

Quellennachweis

  • Abbildung 1 - Auszug aus dem Handbuch ZIS-110; Moskau 1948;
    deutsche und englische Übersetzung: © Guscha.de

  • Abbildung 2, 3, 5, 6, 7, 8 - © Guscha.de

  • Abbildung 4 - Collage, basierend auf einer technische Zeichnung der Moskauer Stalinwerke

  • Die Redaktion von Guscha.de bedankt sich herzlich für die fachliche Beratung bei Dashiell Oatman-Stanford, Experte für sowjetische Uhren (Watches of the USSR).

 
 
Zurück
Zurück

Handbuch Seite 014d

Weiter
Weiter

Handbuch Seite 014b